Der Entschluss, als erwachsenes Kind seine Eltern zu pflegen, hat weitreichende Folgen. Besonders wenn man selbst Kinder hat, die noch betreut und versorgt werden müssen, kann die häusliche Pflege zu einer großen Belastung für beide Seiten werden. Wenn Sie über häusliche Pflege nachdenken, sollten Sie Folgendes beachten.
- Reden Sie miteinander über Ihre Erwartungen. Tauschen Sie sich über Wünsche und Standpunkte behutsam, aber deutlich aus. Sprechen Sie über die Organisation des Haushalts. Überlegen Sie, wie viel Zeit Sie als Pflegender erübrigen können, ohne dass Ihre eigene Familie zu kurz kommt. So vermeiden Sie Machtkämpfe. Alle Sorgen, Ängste und Bedenken müssen in dem Gespräch zwischen Ihnen und Ihren Eltern auf den Tisch kommen.
- Haben Sie nicht den Ehrgeiz, alles alleine schaffen zu wollen. Beziehen Sie andere Familienmitglieder ein. Vielleicht können Ihre Kinder auch kleine Aufgaben übernehmen. Denken Sie über ehrenamtliche Helfer und Pflegedienste nach. Bei den Wohlfahrtsverbänden erhalten Sie Auskunft über die Möglichkeiten vor Ort.
- Wenn Sie Ihre Eltern zu sich nehmen möchten, sollten Sie realistisch einschätzen, was Sie überhaupt leisten können und wollen. Ist die Wohnung groß genug? Würden Sie Ihre berufliche Tätigkeit einschränken? Was wird aus Ihrem Jahresurlaub und dem wöchentlichen Sporttermin?
- Fragen Sie sich nach den Gründen für Ihren Wunsch, die Eltern zu pflegen. Stehen überwiegend Pflichtgefühl und hoher moralischer Druck dahinter? Dann werden Sie bald von der Pflege ausgebrannt sein. Ihren Eltern helfen Sie damit nicht.
- Wie gut verstehen Sie sich mit Ihren Eltern? Wenn Sie schon immer miteinander Probleme hatten, oder ihnen innerlich weiterhin Ihre unschöne Jugend vorwerfen, wird die Situation zuhause vermutlich schwierig werden. Sprechen Sie mit den Eltern über Alternativen zur häuslichen Pflege.
Falls Sie die häusliche Pflege eines hilfebedürftigen Elternteils übernehmen, kehren sich die alten Rollen um. Ein bis dahin selbstständiger Mensch muss Hilfe annehmen von denjenigen, die er früher selbst umsorgt hat. Es ist nur menschlich, dass er die Hilfe auch mal als Bevormundung erlebt. Daraus können Konflikte entstehen, die die Beziehung belasten und die unbedingt geklärt werden müssen. Wer einen alten Menschen pflegt, sollte dies als Hilfe zur Selbsthilfe auffassen. Von beiden Seiten wird in jedem Fall viel Geduld verlangt.
Weiterführende Literatur:
Reitzler, R.: Wenn Eltern Pflege brauchen. So begleiten Sie Ihre Mutter und Ihren Vater. 2009.

